Tyskland - fra Rødhætte til Rammstein

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Tekst 1: Werfel, An das deutsche Volk, 25.5.45


Deutsche Menschen! Es ist eine furchtbare Prüfung, durch die ihr durchgehen müßt, eine Prüfung ohne Muster und Beispiel in der Weltgeschichte. Nicht daß eure stolzen Armeen zerschlagen und gefangen sind, nicht daß eure blühenden Städte in Trümmern liegen, nicht daß Millionen von euch, aus ihren verkohlten Wohnstätten vertrieben, obdachlos und hungrig über die Landstraßen wandern, nicht in all diesem materiellen Elend, so grauenhaft es auch ist, liegt die furchtbare Prüfung, der ihr unterworfen seid. Dasselbe Elend, das euch jetzt hohläugig durch Ruinen jagt, habt ihr den anderen Völkern Europas kalten Herzens selbst bereitet und habt euch nicht einmal umgesehen nach dem Jammer, der euer Werk war. Die Völker haben diesen Jammer überdauert, und auch ihr werdet den Jammer überdauern, unter einer einzigen Bedingung freilich, daß ihr eure Seele rettet. Und das ist die furchtbare Prüfung und die große Frage: »Wird Deutschland seine Seele retten?« Es geht um die objektive Erkenntnis des Geschehenen und um die subjektive Erkenntnis der Schuld. Deutsche Menschen! Wißt ihr, was durch eure Schuld und Mitschuld geschehen ist in den Jahren des Heils 1933 bis 1945, wißt ihr, daß es Deutsche waren, die Millionen und Millionen

 


friedfertiger, harmloser, unschuldiger Europäer mit Methoden umgebracht haben, die den Teufel selbst schamrot machen würden, kennt ihr die Bratöfen und Gaskammern von Maidanek, den Jaucheberg verwesender Mordopfer in Buchenwald, Belsen und hundert anderen Höllenlagern ...
Verbrechertum des Nationalsozialismus und die unsagbare Verrohung des deutschen Wesens sind logische Folgen der frechen Teufelslehren, die vom »Recht des Stärkeren« schwärmen und behaupten, Recht sei einzig und allein das, was dem Volke, das heißt ein paar Bonzen und Gaunern, nützt...

Deutsche Menschen! In dieser schrecklichen Stunde der Prüfung gedenket mit Demut und Dankbarkeit eurer heiligen und großen Meister, die in der Ewigkeit für euch zeugen. Sie allein können die Schmach von euch nehmen - im Angesichte Gottes, der alles vorüberläßt und so auch diese Stunde ...

Klaus Wagenbach, Vaterland, Muttersprache, Berlin, 1979